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Jugendhockey im Rissener Sportverein

Männliche Jugend B

Wir hol‘n den Pott oder
„Hockey vom Feinsten“

mJB in Lübeck – so war es wirklich

Es war ein Psychokrimi – schwer auszuhalten – besonders für die Zuschauer. Und jeder hat gefightet bis zum Umfallen. Nachdem wir am Vortage gegen Lübeck beim 2:0 (Torschützen Julius und Felix) richtig auf die Knochen bekommen hatten und nun die halbe Mannschaft angeschlagen war, zeigten die Jungs heute eine super Moral. Das die Jungs das noch gedreht haben, fast ein Wunder. Schon wenn ich daran denke, bleibt mir das Herz wieder stehen…

Siegertruppe PiRi mJB

Aber der Reihe nach: Es ging heute im PokalFinale gegen die UHCer, die am Vortage Flotti (GTHGC oder einfach Flottbek) mit sage und schreibe 8:1 in die Wüste geschickt hatten – gegen Flottbek hatten wir uns richtig schwer getan und zweimal 2:2 gespielt.

Nach anfänglichen Problemen und sehr defensivem Beginn, die haben uns sofort eingeschnürt, lagen wir nach 20 Minuten – ja zwanzig und es kam mir noch kürzer vor – schon mit 3:0 in Führung (Jonathan, Kester, Rouven). Keiner konnte es so richtig glauben – UHC machte das Spiel und wir schossen die Tore. Ganz schön abgezockt meine Jungs da vorne, das hatte in den letzten Spielen immer gefehlt. Richtig großes Hockey, „hammer“, aber dann immer wieder mit vielen Stockfehlern im Mittelfeld und diese Unsicherheiten im Aufbau. Wir dachten natürlich trotzdem schon „das war‘s“ und wurden locker – ging aber irgendwie zu schnell und war auch irgendwie zu einfach. Gestern hatten wir gegen Lübeck konzentriert unser Spiel gespielt und lange gewartet, gegen das brutale kampfbetonte Hockey von Lübeck, diszipliniert, ohne zu meckern – das machten ja schon die Anderen – auf unsere Chancen gelauert. Dabei standen wir am Tag zuvor immer richtig und stoppten mit einer traumhaften Sicherheit alles was über die Mittellinie kam. Heute überhaupt nicht, viele Stockfehler, lange nicht mehr so ballsicher. Trotzdem jetzt unser 3:0 durch Rouven. Auszeit UHC. Und danach gings los. Wir bekamen jetzt plötzlich richtig Druck. Die hatten ja vorher schon gut gespielt, aber im Schußkreis waren sie bis dahin ungefährlich. Sie hackten die Bälle jetzt nur so in unseren Kreis – brutal – total gefährlich – aber erlaubt. Es kam jetzt Schlag auf Schlag. Anschlußtreffer UHC 3:1 und gleich nochmal 3:2.

Dann Halbzeit. Sofort nach Anfang der 2. Halbzeit der Ausgleich 3:3 – Schock – wir waren platt, kaum noch Gegenwehr, ich dachte nur „OK, gut gespielt bis hierher, dann ist es eben so.“ Das Spiel vom Vortag lag uns in den Knochen. Auszeit – die Gesichter, in die ich guckte, waren ratlos. Ich aber auch, also früher stören, den Gegner am Aufbau hindern, zustellen, Ballführenden unterstützen, aber irgendwie glaubten wir nicht mehr dran. Also wieder Mut machen – starkreden – Psychotricks. Lief aber trotzdem nicht. Was tun????? Johann fehlte uns, hatte gestern die Gegner angezogen, ja förmlich angesogen und dann den klugen Paß gespielt. Nun humpelte er und wollte trotzdem – „Nein Johann, das geht nicht mehr.“ Irgendwas mußte passieren, wir brauchten neue Ideen im Mittelfeld, schnellere Ballwechsel, Kurzpaß, Doppelpaß, Simon brauchte dringend Unterstützung – also … vielleicht … könnte doch funktionieren, auf zwei Positionen umstellen – naja, so hatten wir nur einmal kurz aus der Not heraus gespielt, ob das gut geht? „Bozo und Hanno tauschen“ und … so langsam, als hätte man einen Schalter umgelegt – es ging – wie von Geisterhand, auf einmal wieder starkes Spiel – GEIL – Beide fühlten sich wohl, spielten viel sicherer, die Anderen auch, endlich wieder Druck nach vorne. Wir waren wieder im Spiel, die richtige Entscheidung (gutes Gefühl).

Endlich ging es wieder los, Lucas wirbelte wieder und Simon hatte nach vorne wieder ordentlich zu tun. Hinten Hanno und Anton verstanden sich blind, beides Techniker, auf engstem Raum spielten sie die Gegner aus. Klasse.

Dann kurze Ecke für uns, was hatten wir nicht alles an Eckenvarianten geübt und im Training sah das immer ganz gut aus, aber im Spiel, immer wieder ohne Erfolg. Levin steht als erster Schütze auf seiner Position und dreht sich um, ich nicke nur aus der Ferne, hat er mich überhaupt gesehen? Einfach mal wieder direkt draufknallen war abgesprochen – HOCHSPANNUNG – Herausgabe, Annahme und harter direkter Schlag aufs Tor – man hört die Kugel, sie haut 2mal gegen das Brett, klockklock, ein wunderschönes Geräusch. 4:3 RIESEN JUBEL, RIESEN ERLEICHTERUNG bei allen und natürlich auch bei den mitgereisten Fans. Es rasselte, trötete und grölte. Alles was mit war – „Hexenkessel“ auf dem Platz. Unsere Zuschauer waren einfach gigantisch, so hatte ich die Fans noch nie erlebt. Die Jungs konnten garnicht anders als „immerweiterimmerweiter“.

Auf beiden Seiten jetzt immer wieder hochkarätige Chancen die mir das Blut stocken ließen. Und immer wieder die Zuschauer mit lautem lang anhaltendem Tröten und Gerassel. KLASSE. Dann bekamen wir einen Siebenmeter gegen uns – wie? Völlig übertrieben, nach einer harten Attacke von Hanno, unser‘m neuen super Innenverteidiger, auf einen UHC-Spieler, der gerade im Schußkreis hätte abziehen können – harter Pfiff – unberechtigt und wenn, nur eine kurze Ecke, aber vielleicht, nur vielleicht, bin ich ja nicht ganz so objektiv. UHC verwandelt sehr sicher. 4:4. Jetzt natürlich Riesenjubel auf der anderen Seite, aber ohne Tröten und Rasseln (gut zu unterscheiden), aber sehr fair das Publikum. Danke an alle Fans für die super Atmosphäre. Haben uns dann noch durch die Verlängerung gekämpft, auf beiden Seiten hochkarätige Chancen und super Torwartparaden, sehr ausgeglichen jetzt und alle Spieler waren natürlich fertig, aber die Zuschauer noch mehr. Die haben uns richtig fett angefeuert und ohrenbetäubenden Lärm gemacht. Endlich mal ein richtiger 12. Mann – wir konnten garnicht anders, als kämpfen. Ein Getröte und Gerassel und immer zum richtige Zeitpunkt: „Ihr wart genauso klasse wie die Jungs auf dem Platz“. Also alles in allem … Stimmung und Hockey vom Feinsten und höchste Anspannung.

Aber leider immer noch kein Ende, Siebenmeterschießen: Kreis gebildet und gefragt: Wer will schießen? Levin, Bozo, Jan, Simon die 4 waren eigentlich gesetzt, aber in so einer Situation nochmal besser fragen, die Spieler angucken und hören: Bozo, Jan, Levin ja, aber Simon zögert - mein sonst so selbstbewußter Simon. „Ja Simon, Du kannst es“. Und wer als fünfter? Johann unser Dribbler vor dem Herrn, nur noch humpelnd, mit Horn und Megaphone bewaffnet, der GuteLaune­Stimmungs­macher auf der Bank oder unser Individualist Hanno, der bis zum Schluß durchgespielt hatte. Beide wollten und waren sich sicher. OK, Johann noch mal eingewechselt – „aber hör auf zu grinsen“. Auf gehts, aber ich hatte noch was vergessen – noch mal schnell unsern Kreis gebildet – alle dabei? auf drei: „WIR HOL‘N DEN POTT!“

Wir holn den Pott

Das war unser Kampfschrei schon gestern und den hatten wir uns nach anfänglichem Gemurre immer wieder gemeinsam in uns reingeschrien – irre daß das funktioniert. Wir glaubten wieder an uns.

Nun noch, Tim unser Torwart, ganz klasse gehalten, aber beim Training, wir hatten Siebenmeter geübt, kaum was gehalten und seltsam wenig Reaktion gezeigt. Also dachte ich: „Kann er einen halten? Tim, denk an die Arme, mach dich grooooß!“ Ja, so: „Warte, guck mir in die Augen“ und da wußte ich es – die Anspannung, der Blick, den ich sonst vermißte, war plötzlich da.

Er vibrierte, er bebte förmlich. Noch mal abgeklopft und los. Jeder einzelne Spieler sollte vor dem Schießen mit einem „Hey“ von allen abgeklatscht werden, aber erst schießen die UHCer. Tim im Tor. Herzklopfen, Anpfiff und … daneben … JUBEL … Tim, durch seine bloße Anwesenheit, groß, ganz groß.

Jetzt Bozo als erster Schütze, natürlich ganz wichtig, kann er einen vorlegen? Ist er so sicher wie im Training, da hatte er ja fast jeden verwandelt. Abklatschen und „Hey“„Hey“„Hey“„Hey“„Hey“. Unser Langhaariger schreitet mit erstaunlicher Sicherheit zum Punkt. Der Torwart steht ganz weit links – was soll das? Das muß der Torwart doch merken – eine Finte, aber was hat er vor? Er bietet Bozo die rechte Ecke förmlich an, warum? Will er da rüber springen und den flachen Ball raus wischen oder wird er einfach links stehenbleiben, soll ihn verwirren. Anpfiff, Bozo wartet kurz, der Torwart bewegt sich in die Mitte, trockener Schuß in die vorher noch freigehaltene linke Ecke … TOOOOOR … und Erleichterung, ganz schön abgezockt. 5:4.

Jetzt wieder UHC … Schuß … Tim kommt mit dem Fuß dran, der Ball prallt gegen den Pfosten, gegen die Latte und … gibt‘s doch garnicht … ins Tor. 5:5. „OK, den Nächsten hältst Du!“

Jetzt Jan, im Training immer wunderschön, natürlich geschlenzt oben links in den Winkel, aber auch schon mal ins Lattenkreuz. Alle abklatschen und „Hey“„Hey“„Hey“„Hey“„Hey“. Der UHC-Torwart hüpft auf der Linie, macht wieder Blödsinn, aber Jan ganz cool, läßt sich nicht irritieren. Pfiff … Schuß … TOOOR! 6:5. Klar, wo der hin ging, oder?

Dann wieder UHC. Tim sehr konzentriert, aber reingeballert. 6:6. Keine Chance, Jubel und Erleichterung auf der anderen Seite.

Jetzt Simon, voll konzentriert, blass, ernst. So kenne ich Ihn nicht, klatscht uns ab, aber er ist mental ganz weit weg – ohoh – er schreitet zum 7mPunkt, aber er schwingt ja immer so im Gang, jetzt auch. „Du kannst es, mach ihn rein!“ Pfiff … Schuß und TOOOOOR! 7:6. Aufatmen und Jubel, jetzt war Simon wieder der Alte „Heyheyhey“ Klasse gemacht Simon!

Wieder UHC. Tim kommt nochmal mit dem Fuß ran, aber trotzdem springt er ins Tor. 7:7.

Jetzt Johann. Er humpelt ja immer noch, aber grinst. Ja, das ist unser Johann. Hoffentlich ist er nicht zu selbstbewußt, zu übermütig. Anpfiff … Schuß und TOOOOOR! 8:7. Johann, was kann Dich eigentlich erschüttern?

Jetzt wieder UHC. Schafft Tim es diesmal? Dann … Na sonst muß Levin eben auch noch, hatte ja im Training auch jeden eiskalt reingemacht.

Tim geht ins Tor, er bebt wieder und macht sich groß. ------- „TIM HOL IHN DIR“ -------- Anpfiff … Schuß und … Tims linker Fuß streckt sich weit, immer weiter nach links und … er hat das Ding, kickt die Kugel weit aus dem Tor raus.

Alle stürmen auf ihn zu – ein riesen Knäul.

„OLE OLE OLE OLE“

I c h b i n s o e r l e i c h t e r t, dass das hier endlich zu Ende ist ……… Zwick‘ mich mal Einer.

O-Ton vom Ausrichter in der Abschlußrede bei Pokalübergabe

„Das was wir heute hier gesehen haben war hochdramatisch und Hockey vom Feinsten!“

Es war der Trainer von mJB Lübeck/Travemünde - gestern noch giftig, pöbelnd und aggressiv bis in die Haarspitzen und heute wie ausgewechselt und ein sehr guter Schieri.?

HZ

 

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